Gemeint ist der Mut, Erfahrungen offen zu teilen, voneinander zu lernen und Neues auszuprobieren. „Wer eine Leitung grabenlos saniert, statt neu zu verlegen, betritt für sein Netz oft Neuland. Dazu braucht es Mut. Was unsere Partner damit erreichen, zeigen sie bei den Partner Days“, sagte Werner Rädlinger, Geschäftsführer und Inhaber von Rädlinger Primus Line, zum Auftakt.
Druck als Thema – Regulation statt Kraft
Den Auftakt mit seiner Keynote machte Tom Sietas, Coach und Weltmeister im Apnoetauchen. Seine Kernbotschaft: Unter Druck zählt nicht Kraft, sondern Regulation. Anhand von Herzfrequenzkurven zeigte er, wie sich der Körper mit gezielter Atmung beruhigen lässt, und eine gemeinsame Atemübung im Saal machte das unmittelbar spürbar. Für Rohrleitungssanierer gehört Druck zum Alltag, ob als Betriebsdruck im Rohr, als knappes Zeitfenster oder als Schaden, der keinen Aufschub duldet. Auf Sietas’ Botschaft kamen Referenten und Gäste in den folgenden zwei Tagen immer wieder zurück.
Asbestzement: Instandhalten, bevor die Leitung versagt
Noch immer sind in der Trinkwasserversorgung Tausende Kilometer Asbestzementleitungen in Betrieb, obwohl die Neuverlegung in der EU seit 2005 verboten ist. Timo Jentzsch vom IWW Zentrum Wasser erläuterte, warum diese Rohre mit den Jahren an Festigkeit verlieren und bersten können. Der Instandhaltungsbedarf wird nach seiner Einschätzung in den kommenden Jahren steigen.
Eine grabenlose Antwort darauf liefert Primus Line®: In Deutschland ist das System als emissionsarmes Verfahren BT 62 nach TRGS 519 anerkannt. Netzbetreiber können Asbestzementleitungen damit instand halten, ohne Gräben zu öffnen.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigte Danphix aus Italien: Für einen Versorger setzte das Unternehmen in Venetien 8,9 Kilometer Asbestzement-Hauptleitung mitten durch Weinberge instand. Ein oberirdischer Bypass hielt die Versorgung durchgehend aufrecht und die Fahrer des Giro d’Italia rollten direkt über die Trasse hinweg. Insgesamt hat Danphix für den Betreiber in acht Jahren rund 35 Kilometer Leitung mit Primus Line® saniert.
Notfalleinsatz an der Gold Coast
Dass das System auch unter Zeitdruck funktioniert, belegte Wilsons Pipeline Solutions aus Australien. Wenige Tage vor Weihnachten 2025 fiel an der Gold Coast eine Trinkwasserleitung unter einem Kreisverkehr aus, den täglich mehr als 30.000 Fahrzeuge nutzen. Nach 16 Arbeitsstunden war die Leitung saniert, die Straße musste nicht gesperrt werden. Seither kamen fünf weitere Installationen von Primus Line® bei Notfällen hinzu. Aus einem einzelnen Einsatz wurde in weniger als acht Monaten eine feste Zusammenarbeit.
Märkte, Produkt, Qualifizierung
Andreas Gross, Leiter des Geschäftsbereichs Wasser International, verwies auf die Milliardeninvestitionen in die Wasserinfrastruktur in Europa, Nordamerika und Südostasien. Diese Märkte will Rädlinger Primus Line gemeinsam mit den Partnern erschließen. Voraussetzung sind ein passendes Produkt und die nötigen Zulassungen. Dr. Björn Bergmann, Leiter Forschung und Entwicklung bei Rädlinger Primus Line, erläuterte, warum das Unternehmen auf lose eingezogene Liner mit Aramidfasern setzt und was neue Normen für die Partner bedeuten.
Im Öl- und Gasgeschäft entwickelt sich Rädlinger Primus Line vom Material- und Technologielieferanten zum Komplettanbieter, der Planung, Material und Installation aus einer Hand liefert. Welcher Aufwand dahintersteht, machte Dr. Peter Bandelt, Project Engineering Manager Oil & Gas, deutlich: Die Qualifizierung nach dem Industriestandard API 15S dauerte mehrere Jahre, allein die Langzeit-Drucktests liefen bis zu 10.000 Stunden, also fast 14 Monate.
Andreas Haindl von RPC-Tec, einem Schweizer Familienunternehmen mit 75 Jahren Erfahrung in der Rohrreinigung, ergänzte einen Merksatz für die Praxis: Die Vorbereitung des Altrohrs ist kein Vorabschritt, sondern Teil der Sanierung.
Projekte aus der Praxis
Der zweite Tag gehörte den Projekten:
Dänemark
VP Villy Poulsen sanierte für einen Versorger eine Abwasserdruckleitung über 2.541 Meter am Stück, unter Seen hindurch und durch ein Naturschutzgebiet. Für die gesamte Installation standen 27 Stunden zur Verfügung, der Einzug dauerte rund acht Stunden.
Französisch-Guayana
Altero Travaux Publics verlegte eine 4,5 Kilometer lange temporäre Rohwasserleitung durch den Regenwald, die ein Wasserwerk versorgt, wenn in der Trockenzeit Salzwasser den Fluss hinaufdrückt. Material und Technik gelangten per Hubschrauber, Boot und Lastkahn zur Baustelle.
Tschechien
Michal Homola setzt Primus Line® als oberirdischen Bypass ein und bietet dafür inzwischen eine Mietoption für andere Partner und Netzbetreiber an.
Kalifornien, USA
Zwischen zwei Förderplattformen wurde eine 3.238 Meter lange Unterwasserleitung in über 200 Metern Tiefe in einem einzigen Zug saniert. Die US- Bundesbehörde „Bureau of Safety and Environmental Enforcement (BSEE) hatte dafür erstmals einen Liner für eine Unterwasserleitung zugelassen. Azam Shafiq, Leiter Engineering Oil & Gas bei Rädlinger Primus Line, fasste zusammen: „Der Liner war nie das Schwierige, sondern alles drumherum.“
USA
AMKA Services und Advantage Reline berichteten über einen Einzug unter dem Hafen von Los Angeles, die erste Hochdruck-Installation in den USA mit sieben Bögen in Seattle und eine Sanierung in einem steilen Canyon bei Salt Lake City bei einem Betriebsdruck von rund 20 bar.
Eine Podiumsdiskussion mit Vertretern von Veolia, Downley Consultants, Innopipe, AMKA Services und Rädlinger Primus Line behandelte, was in den jeweiligen Märkten über offene Erneuerung oder grabenlose Sanierung entscheidet, welche Förderprogramme die Nachfrage treiben und welche Rolle kritische Infrastruktur und künstliche Intelligenz spielen.
Montage zum Anfassen
An drei Praxisstationen zeigten Fachleute von Rädlinger Primus Line die Handhabung der Überlandtrommel mit Schwenkeinheit sowie die Montage von Q-Verbinder und Notfall-Verbinder. Die Partner nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und Erfahrungen aus eigenen Projekten einzubringen.
Begegnung abseits der Bühne
Im Ausstellungsbereich konnten die Gäste Verbinder, Liner und Reinigungswerkzeuge aus nächster Nähe ansehen, darunter ein Muster des neuen Linerdurchmessers DN 550.
Beim Get-together am Mittwochabend und beim Dinner am Donnerstag blieb Raum für Gespräche abseits des regulären Programms.
Wissen teilen, Netzwerk stärken
Andreas Gross zieht Bilanz: „Wissen wird wertvoller, wenn man es teilt. Genau das haben unsere Partner Days wieder gezeigt. Zum Beispiel: einen Verbinder im Katalog anzuschauen ist etwas anderes, als ihn in der Hand zu haben und direkt über die eigenen Herausforderungen zu sprechen. Vielen Dank an unsere Partner und Referenten für die Offenheit, die spannenden Einblicke und den internationalen Austausch.“
Die Erfahrungen aus Stockstadt fließen in Produkt, Schulung und die Zusammenarbeit mit den Partnern ein. An den deutschen Firmenstandorten wird unter anderem eine Dauerausstellung der Verbindungstechnik aufgebaut, an der Partner Lösungen für ihre Projekte durchsprechen können.
Feedback der Teilnehmer
„Wir konnten von Partnern und Experten viel über Primus Line® lernen und freuen uns darauf, unsere Zusammenarbeit weiter zu vertiefen.“
Kazuaki Kiriyama | Nippon Steel
„Es war sehr instruktiv und hat mich besonders gefreut, Sie persönlich zu treffen.“
Andréas Zaugg | KFS Service de Canalisation
„Wir haben viel gelernt und die Veranstaltung sehr genossen. Hervorragend organisiert, eine durchweg angenehme Atmosphäre – Hut ab vor dem gesamten Team!“
Peter Verstokt | Gravo
Die Partner Days 2026 in Zahlen
70 Gäste aus 30 Ländern
2 Konferenztage, 16 Vorträge, 1 Podiumsdiskussion
3 Praxisstationen
Überlandtrommel, Q-Verbinder, Notfall-Verbinder
Partnerprojekte von 4 Kontinenten
Australien, Europa, Nord- und Südamerika
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